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form.bar: Wie ein Saarbrücker Start-up Möbel nach Maß neu erfindet

von Stefanie JungmannVeröffentlicht: 05.11.20265 Min. Lesezeit
Eckbank nach Maß von form.bar – Bildquelle: form.bar / Okinlab GmbH (form.bar)
Eckbank nach Maß von form.bar – Bildquelle: form.bar / Okinlab GmbH (form.bar)

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Ein Regal, das sich in sanften Wellen um eine Dachschräge legt, ein Sideboard, das exakt in die Nische unter dem Fenster passt, eine Sitzbank, deren Linie dem Grundriss folgt: Was früher nur beim Tischler mit großem Budget möglich war, gestalten Kundinnen und Kunden bei form.bar selbst – am Bildschirm, in Echtzeit, mit sofort sichtbarem Preis. Hinter der Marke steht die Okinlab GmbH aus Saarbrücken, die seit 2013 beweist, dass digitale Technologie und klassisches Handwerk keine Gegensätze sind.

Die Anfänge: Ein schlauchförmiger Laden und keine Möbel von der Stange

Die Geschichte von form.bar beginnt mit einem Problem. Alessandro Quaranta, damals Inhaber eines eigenen Modelabels und Berater für studentische Start-ups an der Universität des Saarlandes, sollte einen Campus-Shop einrichten. Der Raum war klein, lang gezogen und hatte sehr hohe Decken – handelsübliche Regale und Verkaufstresen passten schlicht nicht hinein.

Hilfe holte er sich bei seinem Schulfreund Nikolas Feth. Der Architekt hatte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes zu bionisch inspirierten Holzschalenkonstruktionen, Leichtbau und parametrischen Entwurfsmethoden geforscht. Aus der gemeinsamen Lösung für den Laden entstand die Idee, die beide bis heute antreibt: Möbel sollen sich dem Raum und dem Menschen anpassen – nicht umgekehrt. 2013 gründeten sie in Saarbrücken die Okinlab GmbH, aus der die Marke form.bar hervorging.

Eckbank nach Maß von form.bar
Eckbank nach Maß, individuell im Konfigurator gestaltet – Bildquelle: form.bar / Okinlab GmbH (form.bar)

Das Prinzip: Selbst gestalten, regional fertigen lassen

Herzstück von form.bar ist ein 3D-Konfigurator im Browser. Höhe, Breite, Tiefe, Fächeraufteilung, Material und – das ist das Besondere – die Form selbst lassen sich frei verändern. Kanten können schwingen, Fronten sich wölben, Regalböden einer Welle folgen. Ein Algorithmus sorgt im Hintergrund dafür, dass die Proportionen stimmig bleiben und das Möbel statisch funktioniert. Der Preis aktualisiert sich bei jeder Änderung.

Individuell gestaltetes Möbelstück von form.bar
Jedes Möbel entsteht als Unikat nach eigenen Maßen – Bildquelle: form.bar / Okinlab GmbH (form.bar)

Ist der Entwurf fertig, erzeugt die Software automatisch die Fertigungsdaten für CNC-Fräsen. Diese gehen an eine Partnerschreinerei in der Region der Kundschaft. Inzwischen arbeitet form.bar mit mehr als 60 Partnerbetrieben zusammen. Das Ergebnis ist ein Unikat in Schreinerqualität – zu einem Preis, der deutlich unter klassischer Einzelanfertigung liegt, weil Planung und Zuschnitt weitgehend automatisiert sind.

Wer sich das Gestalten nicht allein zutraut, kann den kostenfreien f+ Design-Service nutzen: Das Team erstellt aus Maßen, Fotos oder Skizzen bis zu drei Entwürfe und plant auch Sonderlösungen wie Aussparungen für Steckdosen oder Heizkörper.

„Weltweit regional und immer jung"

So beschreibt Alessandro Quaranta die Haltung des Unternehmens. Gemeint ist: Das Design entsteht digital und ist überall verfügbar, gefertigt wird aber dezentral, nah am Kunden. Das spart lange Transportwege und große Lager. Weil Material nur dort eingesetzt wird, wo es statisch gebraucht wird, und die Teile über ein Stecksystem ohne Schrauben oder Leim verbunden werden, entsteht zudem weniger Verschnitt. Viele Möbel kommen ohne aufwendige Verpackung beim Kunden an und lassen sich mit wenigen Handgriffen aufbauen.

Geschwungenes Designerregal aus Nussbaum nach Maß von form.bar
Geschwungenes Regal mit Nussbaum-Oberfläche – Bildquelle: form.bar / Okinlab GmbH (form.bar)

Was form.bar erreicht hat

  • Auszeichnungen: Bereits 2016 wurde Okinlab in der Kategorie StartUp für den Deutschen Gründerpreis nominiert; das Konzept „Handwerk 4.0" überzeugte die Jury.
  • Sortiment: Aus dem ersten Regal sind 14 Produktkategorien geworden – von Bücherregalen und Raumteilern über Sideboards, TV-Möbel und Schränke bis zu Tischen und Sitzbänken.
  • Reichweite: Geliefert wird regulär nach Deutschland, Österreich, in die Schweiz, nach Luxemburg, Frankreich, in die Niederlande und nach Belgien.
  • Team: Aus dem Gründerduo ist ein Team von rund 16 Mitarbeitenden in Saarbrücken gewachsen, geführt von Nikolas Feth und Alessandro Quaranta.

Für wen sich form.bar eignet

Besonders stark ist das Konzept überall dort, wo Standardmaße an ihre Grenzen stoßen: unter Dachschrägen, in Altbauten mit hohen Decken, in schmalen Fluren oder Nischen. Aber auch, wer einfach ein Möbelstück mit eigenem Charakter sucht, findet in der weichen, an der Natur orientierten Formensprache eine Alternative zu geradlinigen Kastenmöbeln.

Fazit

form.bar zeigt, wie ein junges Unternehmen aus dem Saarland die Möbelbranche neu denkt: Die Kundschaft wird zur Designerin, der Algorithmus zum Konstrukteur und die Schreinerei um die Ecke zur Manufaktur. Das Ergebnis sind individuelle Möbel, die genau in den eigenen Raum passen – und eine Erfolgsgeschichte, die mit einem schwierigen Ladenlokal begann.

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Stefanie Jungmann
von Stefanie Jungmann

Stefanie Jungmann studierte Produktdesign an der renommierten Hochschule für Gestaltung in Offenbach (B.A.). Als Design- und Trendredakteurin für das Wohntrends Magazin spürt sie neue Strömungen der europäischen Möbel- und Interieur-Szene auf – von modularen Wohnkonzepten bis hin zu skandinavischem Minimalismus. In ihren Artikeln verbindet sie gestalterisches Fachwissen mit alltagstauglichen Einrichtungsideen.

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